Schizophrener? Am Schizophrensten!

joan 04 Mai, 2008 14:07 zitiertes Permalink Trackbacks (0)

Unter dem Titel Ein Elefant würde schizophren veröffentlichte die Ostthüringer Zeitung am 25.4.2008 einen Artikel mit folgendem, spektakulären Zitat von Psychodrama- und Suchttherapeut Andrej Singer, seines Zeichens Leiter der zum Christlichen Jugenddorfwerk Deutschlands (CJD) gehörenden Jugendhilfe-Einrichtung "Grenzland".

[...] Eindringlich warnte Singer vor dem regelmäßigen Konsum von Haschisch oder Marihuana. "In den 1990er-Jahren hat die Wirkstoffkonzentration (THC) bei 12 bis 18 Prozent gelegen. Heutzutage sind es bei 'Grassorten' 30 Prozent", so der Leiter der Einrichtung des CJD. "Bei fünf Gramm täglich würde sogar ein Elefant schizophren." [...]

Aber keine Aufregung, die Zeitung ist Schuld, nach einer kurzen Anfrage erreichte eine freundliche Mail von Herrn Singer in welcher er uns folgendes mitteilt:

[...] Ich wurde leider falsch zitiert!!!! Habe dort schon angerufen und ein neues Interview gegeben. [...]

...bin ja mal sehr gespannt wie - und ob überhaupt - dieses Zitat von der OTZ richtig gestellt werden wird, ich wage ja fast zu bezweifeln das da noch was kommt.

Update vom 4.05.2008:

Na da schau her, was erblicken da meine ertrübten Augen in der OTZ? In der Tat: Ein neues Interview mit Andrej Singer, so kann man sich täuschen. Aber zu früh gefreut, zwar geht es in die richtige Richtung, und es werden auch keine Elefanten mehr diskriminiert, aber die ein oder andere Blüte findet sich trotzdem noch. Da heute aber Sonntag ist und die Sonne scheint hacke ich da garnicht groß drauf rum, es handelt sich eh nur um die üblichen Verallgemeinerungen. Anzumerken wäre vielleicht noch, dass das 30%-Grass nicht mehr direkt erwähnt wird, dafür aber als "immer potentere Pflanzen" auftaucht. Das aber immerhin nur noch am Rande und nicht mehr als Aufmacher. Davon, dass man von selbigem auch weniger konsumieren könnte - und dieses auch durch nicht krebserregende Konsumformen wie Essen oder Verdampfen - ist natürlich nichts zu lesen, genau so wenig wie über die falschen Zitate aus dem letzten Artikel, aber das wäre auch etwas zu viel verlangt...

Ansonsten aber ein (für die OTZ) sehr halbwegs differenzierter Bericht, welcher ausnahmsweise mal nicht den Drogen sondern den Konsumenten für seine Taten verantwortlich macht... Hier nur mal ein paar Auzüge, das komplette Interview findet sich hier:

[...]

Herr Singer, Drogen sind für junge wie für erwachsene Menschen eine Gefahr. Welche Droge ist für Sie die gefährlichste?

Drogen können giftig sein. Drogen können auch gefährlich sein. Ich sehe aber nicht die hauptsächliche Gefahr in Drogen, sondern die Gefahr liegt bei mir als Mensch. Ich bin derjenige, der zur Droge ja oder nein sagt. In der Arbeit mit Sucht und Abhängigkeit wird zu viel Wert auf Drogen gelegt und weniger auf die Frage, wie werde ich suchtkrank, was bedeutet eine Suchterkrankung für den einzelnen Menschen. Ich will damit nicht sagen, dass Drogen ungefährlich sind.

Welche Drogen sind besonders giftig?

Dazu zähle ich Tabak, Alkohol, Crack und Crystal. Diese Drogen sind sehr gefährlich und schädigen den Körper zusätzlich zu den psychischen Folgen, die bei langjährigem Konsum entstehen können.

Rauchen bezeichnet man als Einstiegsdroge. Wie wirkt sich der Griff zur Zigarette bei jungen Menschen aus?

Medizinisch gesehen können schon sieben Zigaretten bei einem 12- bis 13-Jährigen zur Sucht führen. Nikotin erreicht in drei, vier Sekunden das limbische System und verursacht die Ausschüttung des Belohnungshormons Dopamin im Körper. Ïch schätze Tabak als eine sehr gefährliche und giftige Substanz ein. Leider Gottes fangen wir jetzt erst so richtig an, uns mit dieser Gefahr zu beschäftigen. Bis jetzt war Nikotin in der Gesellschaft akzeptabel. Die Werbung finde ich ganz schlimm. Kinowerbung ist für ein Klientel von 14 bis 25 Jahre. Leider ist sie hervorragend gemacht. Sehr gefährlich für Kinder ist, dass es eine Verharmlosung von Drogen gibt, etwa als Schokoladen-Zigaretten, Kaugummi-Zigaretten oder Kindersekt.

Zigaretten werden häufig dafür verwandt, andere, vermeintlich leichte Drogen zu onsumieren. Wie groß ist das Suchtpotenzial bei Haschisch oder Marihuana?

Ich glaube nicht, dass man das Suchtpotenzial nur an der Droge bestimmen kann. Es hängt von der Person und der Art des Konsums ab. Wenn ich nur gelegentlich einen Joint rauche, dann hat diese Droge ein relativ geringes Suchtpotenzial. Sie ist allerdings nicht ungefährlich. Es ist ähnlich wie bei Tabak. Beide sind krebserregend und ungesund.

Wie sieht es bei regelmäßigem Canabis-Konsum aus?

Wenn ich jeden Tag rauche, schon morgens einen Joint im Mund habe, einen Eimer (eine Wasserpfeife) konsumiere, dann hat die Droge ein hohes Suchtpotenzial. Die durch das Rauchen von Canabis verursachte Lungenfunktionsstörung ist 2,5 bis 5-fach stärker ausgeprägt als beim Rauchen einer Zigarette (siehe www.thorax.bmj.com). Dazu kommt, dass man heute versucht immer potentere Pflanzen zu erzeugen.

[...]

Gibt es steigend Fallzahlen in den psychiatrischen Abteilungen von Krankenhäusern und Suchtkliniken?

Ja, es gibt Fallzahlen nach denen der Anstieg an Psychosen bei Jugendlichen durch den Konsum von Canabis extrem gestiegen ist (siehe www.neuland.com). Der Konsum von Canabis beschleunigt den Ausbruch einer Schizophrenie mit einer 5-fach erhöhten Prevalanz. Das bedeutet, wenn ich einen intensiven Konsum von Canabis betreibe kann es viel schneller zu einer Psychose kommen.

[...]


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