Pharmalobby will Salbei verbieten!

joan 08 August, 2007 20:10 politisches Permalink Trackbacks (0)

Grüne: Wie siehts aus mit Salvia-Divinorum (Zaubersalbei)? Gibt es Hinweise auf Gefahren? Wie ist der rechtliche Status?
Bundesregierung: Was Salvia? Äh... Sorry, Wir ham leider keine Zahlen, wir wissen von nix. Aber das kann man rauchen? Und es ist nicht verboten? Danke für den Hinweis, wir machen das schon.
Presse: Gefahr! Immer mehr Menschen konsumieren Psychosen auslösenden, mexikanischen Salbei!

Gut, das war jetzt leicht verkürzt, aber beim Thema Salvia-Verbot könnte ich mich tottippen, und andere haben das schon zu genüge getan ;) Hier gibts die kleine Anfrage der Grünen zum Thema Salvia-Divinorum und die Antwort der Bundesregierung und hier eine Pressemitteilung vom DHV zum Thema, womit das gröbste eigentlich gesagt wäre.

Beim Lesen der Antwort und diverser Presse-Berichte kam ich aber dann aber noch etwas ins Grübeln, deshalb tipp ich jetzt doch noch was ;) Erstens, am Rande wird deutlich wer eigentlich dafür zuständig ist, dass irgendein Kraut oder ein Medikament in die Anlagen des BtmG aufgenommen wird. Man mag meinen es handele sich um unabhängige Ärzte, Apotheker oder Wissenschaftler - sofern es solche geben mag - aber es kommt noch schlimmer... Die Pharma-Lobby sitzt direkt mit am Drücker. Wie Praktisch, unliebsame Naturprodukte einfach direkt verbieten zu können - der Traum eines jeden Herstellers chemischer Ersatzstoffe, Bunter- und Muntermacher.
[...]

Frage: Welche Sachverständigen werden vor der Entscheidung nach § 1 Abs. 2 des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG) über die Unterstellung von Salvia Divinorum unter das BtMG angehört, und nach welchen Kriterien werden diese ausgewählt?
Antwort: Das Bundesministerium für Gesundheit hat einen Sachverständigenausschuss berufen, der gemäß § 1 Abs. 2 des BtMG angehört wird, bevor die Bundesregierung durch Rechtsverordnung die Anlagen I bis III ändert oder ergänzt. Der Ausschuss setzt sich aus unabhängigen Sachverständigen sowie aus Vertretern der beteiligten Verbands- und Wirtschaftskreise zusammen (Klinische Pharmakologie, Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft, der Deutschen Tierärzteschaft, der Deutschen Zahnärzteschaft, der Deutschen Apotheker sowie des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie e.V. und des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller). Der Sachverständigenausschuss besteht derzeit aus 12 Personen, die für einen Zeitraum von drei Jahren berufen wurden.
[...]

Und ganz toll: Eben jener Ausschuss hat seine Salvia-Verbots-Empfehlung mit dem Hinweis auf das Gefährdungspotenzial, Berichte über Missbrauchsfälle, der wachsenden Internetpräsenz der Droge und einer wachsenden User-Gemeinde begründet und eine Unterstellung unter das BtMG für geboten erachtet. - Und das obwohl die Bundesregierung in der selben Antwort zugibt, ihr seien weder Missbrauchsfälle noch User-Zahlen bekannt. Das verstehe wer will.

Die Presse ist auf jeden Fall auch eher verwirrt, die Apotheker Zeitung überschreibt ihre Salvia-Meldung mit Konsum von Zaubersalbei steigt und fasst zusammen: Der Konsum dieser biogenen Drogen könne "zu schweren Bewusstseinsveränderungen, Psychosen und anderen gesundheitlichen Schädigungen führen", warnt die Bundesregierung in ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.

Damit zitieren sie aber nur allgemeine Vermutungen aus der Antwort bezüglich aller Halluzinogene, was die Apotheker Zeitung lieber weglässt sind hingegen die Antworten auf die konkrete Frage nach eventuellen Erkenntnissen der Bundesregierung "über Fälle von gesundheitlichen Schädigungen im Zusammenhang mit dem Konsum von Salvia Divinorum" und "über von Salvia Divinorum abhängige Konsumentinnen und Konsumenten".
Antwort: "Hierzu liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse vor, weil entsprechende Daten nicht erhoben werden. Studien wären aufgrund der sehr geringen Konsumentenzahl kaum durchführbar."

Und noch ein bisschen mehr Panik kommt in der SZ auf, hier wird Salvia sogar gleich zur lebensgefährlichen Droge gemacht: "Die Bundesregierung warnt vor Drogen aus dem Kräutergarten. Immer wieder greifen Konsumenten zum eigenen Kraut - und bringen mit Zaubersalbei ihr Leben in Gefahr." Und da Fachleute für Salvia die ein Verbot befürworten eher rar sind kommt in diesem Artikel auch mal wieder der altbekannte Dr.Thomasius zu Wort, Horror-Geschichten sind schließlich sein Spezialgebiet und er würde eh am liebsten alles verbieten. Und er schäumt auch wieder ganz herrlich:

[...] Vor allem junge Erwachsene [...] halluzinogenen Naturdrogen [...] Suchtklinik [...] Experimentierfreude [...] Sorglosigkeit [...] Kräuter oder Pilze [...] kontrollierbarer seien als synthetische Drogen [...] insbesondere halluzinogene Naturdrogen [...] Angstzuständen [...] Depressionen [...] und schizophrenen Psychosen [...]

Ja, auch hier hab ich etwas verkürzt, aber nicht viel ;) Der sagt eh immer das Gleiche und wirft alles in einen Topf, bei dem was seine Klienten alles einwerfen weiß er halt nicht mehr so genau was woher kommt. Aber er bringt einen schönen Schluss-Satz in dem Artikel, mit welchem ich auch enden möchte, und der lautet wie folgt:

Sechs Prozent aller 21- bis 24-Jährigen hätten bereits Erfahrungen mit psilocybinhaltigen Pilzen gemacht, in der Szene Psilos genannt. Dabei habe der Pilzrausch derzeit Hochsaison, sagt Thomasius. Neben anderen Pilzen sprießen in Wäldern und auf Wiesen nun auch wieder die Zauberpilze.


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