Drogenbeauftrage drischt Phrasen

joan 30 Juli, 2007 11:20 politisches Permalink Trackbacks (0)

Unsere Drogenbeauftragte hats nicht leicht derzeit. Es ist auch blöd, wenn man sich den Fragen von potenziellen Wählern stellen will, aber keine sinnvollen Antworten parat hat. Per Mail kann man so unbequeme Nervensägen ja einfach ignorieren, wenn die Fragen öffentlich zu sehen sind ist das schon nicht mehr so einfach, da muss man sich schon etwas geschickter anstellen, sonst sieht das zu ignorant aus. Da ist die bessere Taktik: einfach was anderes Antworten als gefragt wurde, am besten mit vorgefertigten Textbausteinen, das sieht dann wenigstens auf den ersten Blick nach einer Antwort aus.

Ich habs selber mal versucht und habe Frau Bätzing - über die bekannte Live-Phrasendreschmaschine Abgeordnetenwatch - zwei leichte, kurze Fragen bezüglich ihrer etwas seltsamen Alkohol-Zitate [wir berichteten] gestellt. Bei Alkohol wird ja von Sabinchen immer der verantwortungsvolle Konsum gepredigt, also wollte ich mal wissen ob es einen solchen auch bei Cannabis gibt. Mit eher belustigendem Resultat, welches mich Fragen lässt, warum die Drogenbeauftragte eigentlich inzwischen im Gesundheitsministerium sitzt - und nicht mehr im selbigen für Drangsalation Justiz.

Fragen an Sabine Bätzing:

1.: Ist ihrer Meinung nach - wie beim Bier - auch ein verantwortungsvoller Konsum von Cannabis-Produkten möglich? Oder ist jeder Gebrauch auch ein Missbrauch? (Ich meine mit "auch" z.B.: einen volljährigen, im Leben integrierten, Bürger mit Arbeit, Kind und Hund und einem Konsum von 2 - 3 Joints im Jahr?)

2.: In der BILD-Zeitung (vom 03.05.2007) sagen sie: "Ein 17-Jähriger kann durchaus mal ein Glas Bier trinken". Gilt das ihrer Meinung nach so auch für Cannabis-Produkte? Wenn ja - warum, falls nicht - warum nicht?

Antwort der Drogenbeauftragten:

Nach meiner Auffassung kann es aus rechtlichen und sachlichen Gründen keinen "verantwortungsvollen Konsum von Cannabis-Produkten" geben.
Cannabis zählt zu den nicht verkehrsfähigen Betäubungsmitteln, deren Anbau, Handel und Besitz nach dem Betäubungsmittelgesetz verboten sind. Keine der neueren Studien hat Cannabis eine "Unbedenklichkeitsbescheinigung" ausgestellt. Es kann nicht als harmlose Droge angesehen werden. Im Gegenteil, viele junge Menschen suchen wegen ihres Cannabiskonsums Hilfe in Beratungsstellen. Der Konsum von Cannabis, vor allem der regelmäßige und dauerhafte Gebrauch, hat negative Effekte auf die Hirnleistung. Auch sind nach der Einnahme von Cannabis psychotische Symptome, wie Halluzinationen oder Wahnvorstellungen, möglich.
Aus diesen Gründen sehe ich einen deutlichen Unterschied zwischen einem einmaligen Glas Bier, das dem 17-Jährigen gesetzlich nicht verwehrt ist, und dem Konsum illegal erworbener Cannabis-Produkte mit unkontrollierbarer Wirkung.

Da sich Ihre Fragestellung auch auf einen fiktiven Cannabis-Konsumenten bezog, möchte ich Sie auf die Möglichkeit aufmerksam machen, auf der Website www.drugcom.de an einem anonymen Selbsttest zum Cannabiskonsum teilzunehmen.

Hervorhebungen von mad.drugblog 


EU führt neue Partydroge ein

joan 17 Juli, 2007 17:10 politisches Permalink Trackbacks (0)

Schon mal was von der "Partydroge BZP", oder genauer "1-Benzylpiperazin" gehört? Nein? Komisch, ich auch nicht, musste erst suchen... Egal, bald ist es sicher in aller Munde - denn die EU-Kommission rührt grad ordentlich die Werbe-Trommel. Das ist nämlich meist der einzige bemerkbare Effekt von Kampagnen die mit den Worten "Eindringliche Warnung vor..." beginnen.

[...] Das Mittel habe leicht aufputschende Wirkung und werde auf dem illegalen Drogenmarkt zum Teil auch anstelle von Ecstasy verkauft. Die Nebenwirkungen reichten von Kopfschmerzen über Bluthochdruck bis zu Erbrechen und Krampfanfällen. BZP sei vor Jahren als Medikament gegen Depressionen zugelassen worden, nach Feststellung der Nebenwirkungen aber vom Markt genommen worden, erklärten Kommissionsexperten.

BZP - oder "1-Benzylpiperazin" - ist nach Angaben der deutschen Apothekerverbände unter verschiedenen Namen im Handel erhältlich: "A2", "Herbal Ecstasy", "Herbal Party Pills", "Legal X", "Legal E", "Frenzy" oder "Nemesis". [...]


Mal ganz davon abgesehen das hier Produktgruppen und Bezeichnungen durcheinander geworfen wurden - unterstellen will man natürlich nichts böses - aber irgendwie erinnert mich das schon stark an die Quasi-Einführung von GHB durch den damaligen Bundesdrogenbeauftragten Eduard Lintner.

Update vom 18.07.2007

So, die Presse hat das wie erwartet aufgegriffen, hier die Links zu einigen Werbe-Artikeln für Österreich, Irland, Frankreich, Spanien, Portugal und Italien. Und das war nur ne kleine Auswahl, wohl dem der das Zeug verkauft, die Umsätze sollten phänomenal sein ;)


Dank Genen mehr Hasch im Grass?

joan 12 Juli, 2007 14:42 märchenhaftes, politisches, zitiertes Permalink Trackbacks (0)

Heute geht es mal um den Wirkstoffgehalt in Cannabisprodukten. Dieser soll ja angeblich so extrem gestiegen sein das es nicht mehr lustig ist. Angeblich, wohlbemerkt, denn wenn man dem BKA und der EMCDDA glauben schenken darf ist davon statistisch kaum etwas zu bemerken. Woher kommen aber die ständigen Geschichten über extremste THC-Werte, über Grass welches angeblich nicht mehr vergleichbar sei mit dem harmlosen Kraut der Hippie-Zeit oder über genmanipulierte Hanf-Sorten?

Na klar, aus der Zeitung, welche es von selbsternannten Experten (Drogenfahndern, Innenministern, Suchthelfern etc.) haben - und dann muss es ja stimmen. Aber es ist ja auch einfach zu praktisch, kann man doch mit dieser Geschichte selbst alten Hippies Angst vor ihren Kindern machen. Denn natürlich ist das "neue" Cannabis jetzt extrem gefährlich und eher mit Schnaps zu vergleichen als mit einem Bier. Und es versteht sich ja von selber das dieses Mörderkraut tausende Kinder in die Suchtkliniken treibt, sieht man ja an den (polizeilich gepushten) Fallzahlen... Und mit der Natur hat eine genmanipulierte Pflanze ja auch nichts mehr zu tun, der Herr allein weiß zu was diese Rauschgiftmörder noch alles fähig sind.

Nunja, genug getobt, der Haupt-Effekt dieser Propaganda lässt sich dieser Tage sehr gut in Rheinland-Pfalz und im Saarland beobachten, wo die sogenannte "geringe Menge" Cannabis von bislang zehn auf sechs Gramm abgesenkt wird. Begründung unter anderem: Der Wirkstoffgehalt von Haschisch oder Marihuana sei heute meist höher als früher. Wie praktisch.

...aber meist höher als früher ? Was ist das eigentlich für ne blödsinnige Aussage? Achso, er weiß es nicht besser? Es kann aber auch verwirren, es gibt ja so viele Angaben von so vielen Experten, und jeder sagt etwas anderes. Wenn also jemand einen bestimmten Wert bevorzugen sollte, hier mal eine kleine Auswahl, man suche sich einfach die genehmste Wahrheit heraus: (weiter)


Sabine Bätzing und die Alkohol-Lobby

joan 06 Juli, 2007 20:34 politisches Permalink Trackbacks (0)

Wir wundern uns ja alle schon länger warum unsere Drogenbeauftragte Sabine Bätzing so schlecht erreichbar ist. Zwar steht auf ihrer Homepage der schöne Satz "Ob schriftlich oder mündlich, Kommunikation ist keine Einbahnstraße", was Madame darunter versteht kann aber jeder gerne selber ausprobieren, die Gesundheit von Cannabiskonsumenten geht ihr auf jeden Fall ziemlich am Arsch vorbei.

Aber die gute Frau wird halt selten am Computer sitzen, arbeiten, wichtige Termine haben und so - und dann muss man ja auch ständig Einladungen der Alkohol-Lobby annehmen und so.... Moment, das war jetzt böse? Wirklich? Oha, da schau her, was haben wir denn hier schönes?

Vor einem interessierten Publikum [bei der Ordentlichen Hauptversammlung des Bundesverbandes Wein und Spirituosen] erläuterte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Frau Sabine Bätzing, "Die Maßnahmen zur Alkoholpolitik der Bundesregierung im Rahmen der aktuellen europäischen Diskussion zur Alkoholpolitik". Im Hinblick auf einen verantwortungsvollen Umgang mit alkoholischen Getränken sei die Schaffung eines breiten Bewusstseins in der Gesellschaft notwendig, was nicht durch zusätzliche Gesetze erreicht werde könne. Hier seien alle Verantwortlichen aufgerufen, ihren Teil beizutragen, so die Drogenbeauftragte.

Kein Wunder das sie keine Zeit hat, und woher Äußerungen kommen wie "Ein 17-Jähriger kann durchaus mal ein Glas Bier trinken" erschließt sich einem so auch besser. Aber dem Alkohl ist sie ja auch nicht soooo abgeneigt, neulich im Inforadio war von ihr schließlich zu hören: "Ja, ich trinke ab und zu Mal Alkohol, ich komme aus einer Weingegend. Da trinkt man schon mal ein Glas Wein, ich trinke aber auch gerne mal ein Kölsch oder so was, aber maßvoll." Und ihr Maß scheint sie mehr als gut zu kennen - im Gegensatz zu den meisten anderen Säufern. So behauptet sie in der FAZ doch tatsächlich: "ich war auch noch nie betrunken"

Prost!

sabine batzing und die alkohol-lobby

Bild (vLnR):  Hans-Jürgen Hertzberg, Präsident Bundesverband Wein und Spirituosen, Sabine Bätzing, Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Dr. Wolf H. Pröpsting, ehemaliger Präsident Verband Deutscher Sektkellereien. Quelle: Bundesverband Wein und Spirituosen e.V.


P.S.:
Wie mir grad auffällt ist Kommunikation wohl doch eine Einbahnstraße, zumindest seit ein paar Monaten auch ganz offiziell. Wie man über die Waybackmachine leicht feststellen kann hat Sabine Bätzing seit kurzem eine neue Webseite, und der Spruch auf ihrer Kontakt-Page wurde in diesem Zuge ausgewechselt in ein unverbindliches: "Melden Sie sich - ich freu' mich drauf."

vorher (bis mindestens ende februar 2007):

alte kontakt seite

...zum Glück wurde der Fehler bemerkt, jetzt siehts so aus:

neue webseite


Altmaier will Kundendaten von Coffeeshops

joan 03 Juli, 2007 20:52 politisches Permalink Trackbacks (0)

Das der gemeine Anwohner mit dem gemeinen Drogen-Touristen so seine Probleme hat lässt sich wohl leicht nachvollziehen. Das die CDU solche Sorgen natürlich immer gerne aufgreift auch, das kommt bei der Zielgruppe immer gut an. Für die CDU ist der Schuldige natürlich schnell ausgemacht, und zwar die kindervergiftende liberale Cannabispolitik der Niederländer und ihr paramilitärischer Arm Auswuchs - der Coffee-Shop.

Wenn man die Niederländer fragt sieht das natürlich etwas anders aus. Die freuen sich zwar auch nicht über die einfallenden Horden, gehen das Problem aber immerhin an (indem sie die Coffeeshops teilweise direkt an die Grenze verlagern um so ihre Anwohner vor eventuellen Belästigungen zu schützen). Ich mein, klar, wieso sollten die sich auch einzäunen oder so, sind ja schließlich unsere Touristen, und wir könnten ja bei uns selber Cannabis-Abgabestellen einrichten, oder sowas.

Was natürlich die CDU wieder auf-, und zu ständig neuen, abstrusen Forderungen anregt. So gab es jetzt mal wieder eine mehrstündige Diskussionsveranstaltung zum Thema, ausgelöst vom vermehrten "Wir trauen uns kaum noch aus dem Haus"-Geschrei der Nettetaler Anwohner. Bei dieser war natürlich kein Coffeeshop-Betreiber oder Drogen-Tourist zugegen, dafür lud der örtliche CDU-Vorsitzende Jürgen Boyxen den Staatssekretär von Schäuble, Peter Altmaier, ein. Desweiteren den Bürgermeister und diverse Zoll-, Bundespolizei- Partei- und Amtsvertreter sowie ein Reporter vom Grenzlandboten.

Zum Abschluss schlug Altmaier einige Maßnahmen vor, zum Beispiel die Herausgabe der Kundendaten an deutsche Behörden, damit Besucher tatsächlich nur in einem Shop bis zu fünf Gramm erwerben können. Desweiteren drohte versprach er noch, das Thema mit dem niederländischen Innenminister, auf Botschaftsebene und mit Wolfgang Schäuble zu besprechen.

Das dabei wahrscheinlich kaum die Erkenntniss aufkommt auch in Deutschland Coffeeshops zu eröffnen ist wohl absehbar :/


Kreuzberg bald narkotisiert und eingezäunt?

joan 19 Juni, 2007 12:55 politisches, repressives Permalink Trackbacks (0)

Wir berichteten ja vor kurzem schon vom Symposium zur Zukunft der nicht-tödlichen Wirkmittel. Wie konkret die Pläne zum Einsatz von Drogen zur Deeskalation wirklich sind - keine Ahnung - die Planspiele sind jedoch, mal ganz abgesehen von der Zielgruppe, mehr als schräg. In einem Artikel der SZ vom 18.6.2007 über Hirnforschung findet man zum Beispiel folgenden, vielversprechenden An- ...äh... Absatz.

[...]
Der Chef der Abteilung erzählte im Plauderton, man habe kürzlich auf Anfrage der Bundesregierung einen Workshop mit Soziologen, Bionikern, Hirnforschern, Steuerungstechnikern und anderen Experten abgehalten.

Am Beispiel von Berlin habe man die augenblickliche "soziale Segregation extrapoliert". Das sollte so viel heißen wie: Was passiert eigentlich, wenn sich Probleme mit Migranten und schlecht integrierten Deutschen ausländischer Herkunft wie kürzlich in Kreuzberg und Neukölln verschärfen?

Die Gruppe von Wissenschaftlern entschied sich "klassisch" für das Einzäunen - zum Schutz der "höherwertigen Lebensräume" und um zu verhindern, dass marodierende Horden aus den weniger wertvollen Quartieren die ungeschützten urbanen Zwischenlagen plündern.

Dass eine Kasernierung der "Unzufriedenen" soziale Spannungen eher verstärkt, fiel unmittelbar auf. Der Vorschlag der Arbeitsgruppe: die bestehende Infrastruktur nutzen und die unruhigen Bezirke über Drogen im Trinkwasser ruhig stellen.
[...]


Drogendelikte schlimmer als Terrorismus?

joan 08 Juni, 2007 19:39 politisches Permalink Trackbacks (0)

Heute entscheidet der Bundesrat über eine Verschärfung der Telefonüberwachung. Genauergesagt geht es um die sogenannte Vorratsdatenspeicherung, in deren Rahmen Telefon- und Internetdaten ein halbes Jahr gespeichert werden sollen. Als Grund dafür wird angegeben, man könne der Polizei die Arbeit nach Kriminellen und Terroristen so erleichtern.

Aber geht es dabei wirklich um Terrorabwehr und die Bekämpfung von schwerer Kriminalität? Wer ist denn die bevorzugte Zielgruppe für Staats-Spitzel? Na? Dämmerts? Genau! Die bösen bösen Drogenkonsumenten und ihre Fachhändler. Wenn man in die öffentlich zugänglichen Statistiken schaut stellt man schnell fest: Der überwiegende Teil der Überwachungsmaßnahmen richtet sich gegen Verkäufer und Benutzer von illegalen Substanzen.

Beispiel gefällig? Aber gerne, hier die nackten Zahlen von 2005:

3331 abgehörte Personen wegen Straftaten nach dem BtmG (§ 100a Satz 1 Nr.3 StPO)
1675 wegen sonstiger Kriminalität *
  440 wegen Terror-Kram **

...wobei 521 Personen auch mehrfach gezählt worden sind, da sie in mehrere Kategorien passten.

* oder dem was unser Staat dafür hält. Zum Beispiel passierten davon allein 204 Abhörmaßnahmen aufgrund von Straftaten nach dem Aufenthalts- sowie dem Asylverfahrensgesetz.
** = Friedens-, Hoch- und Landesverrat, Gefährdung des demokratischen Rechtsstaates, Gefährdung der äußeren Sicherheit (36x), Straftaten gegen die Landesverteidigung (25x), Anstiftung oder Beihilfe zur Fahnenflucht (1x), Straftaten gegen Natotruppen (1x), Straftaten gegen die öffentliche Ordnung (157x):


Und wo bzw. was der kleine Drogenkonsument damit zu tun hat möchte ich auch noch schnell verdeutlichen, an Hand folgender Rede aus einer Bundestagsdebatte vom 30.3.2007 zum Thema Telekommunikationsüberwachung:


Dr. Hans-Peter Uhl [CSU]:
Wir müssen Telekommunikationsüberwachung dort anwenden, wo sie erforderlich ist: bei schweren Straftaten wie organisierter Kriminalität, Mord, Totschlag, Rauschgiftdelikten, islamistischem Terrorismus. Wenn Sie die Statistik genau anschauen, erkennen Sie, dass 90 Prozent der Telefonüberwachung in genau diesen Bereichen stattfindet.
 
Zwischenruf von Jerzy Montag [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]:
60 Prozent Drogendelikte! Bis zum kleinsten User!

Dr. Hans-Peter Uhl [CSU]:
Ja, natürlich. Es geht hauptsächlich auch um Drogendelikte.
 
Zwischenruf von Jörg van Essen [FDP]:
Gerade bei Drogendelikten!


Immerhin, ein netter Einspruch von den Grünen, aber sprechen wir sie mal lieber nicht auf ihre Regierungszeit an, in der sie keinerlei Ambitionen zeigten, diesen Mißstand zu beheben.

update (19:59:12)

Die von einigen Bundesländern geforderte zusätzliche Verschärfung der Telefon- und Internetüberwachung hat im Bundesrat keine Mehrheit gefunden. Bei der ersten Beratung des Gesetzentwurfs der Regierung lehnte die Länderkammer am Freitag die meisten Vorschläge ab, für Überwachungsmaßnahmen den Straftatenkatalog noch auszuweiten. (mehr lesen)

Grund zum Aufatmen? Im Gegenteil:

Der Bundesrat fordert unter anderem Erweiterungen beim Katalog der Anlasstaten. [...] Verlängerung von Überwachungsmaßnahmen von zwei auf drei Monate [...] Die Berichtspflicht für die Staatsanwaltschaft nach Beendigung einer Telefonüberwachung sei unnötig verwaltungsaufwändig und zudem verfassungsrechtlich nicht geboten - daher zu streichen. (mehr lesen)

update (09.06.2007, 14:40:22)

Ein schöner Artikel zum Thema ist heute auch bei heise online zu finden.
Link: Bundesrat fordert Ausweitung der TK-Überwachung


Denen werden wir heimleuchten

joan 07 Juni, 2007 01:55 politisches, repressives Permalink Trackbacks (0)

Wenn schon alles nichts hilft - versuchen wir es doch mal mit Licht. So die seltsame Logik "aller Fraktionen". Und weil sich ja bekanntermaßen der gemeine Dealer beim Anblick von L I C H T sofort in Luft auflöst, sich eines Besseren besinnt und sich denkt: "Och, ick hab ja uff een ma voll keen Bock mehr Drogen zu verkaufen, ey!", sponsert das Bezirksamt Berlin Mitte mal schnell 100.000 Euro für neue Lampen im Weinbergspark.

Nunja, dafür hamse Geld - ich hoffe nur das in naher Zukunft - wenn die Leuchten erwartungsgemäß versagt haben werden - nicht zu Knoblauch und Holzpflöcken gegriffen wird. 


Drogen für die Deeskalation

joan 06 Juni, 2007 14:05 politisches, repressives Permalink Trackbacks (0)

Bald gibts keins mehr auf Maul - bald gibts Gratis-Ketamin und Opiate vom Staat. Immer diese Bilder von blutverschmierten Chaoten - das kann ja so nicht weiter gehen. Besser also das CS-Gas mit Betäubungspfeilen ersetzen und den ganzen Haufen vorrübergehend einschläfern?

Klingt utopisch? Würden die doch nie machen? Vielleicht, aber man soll ja niemals nie sagen. Es gibt da auf jeden Fall genügend Leute die in genau diese Richtung forschen - und das nicht nur in Ami- oder Russland. So fand Ende Mai in Deutschland das vierte internationale Symposium zur Zukunft der nicht-tödlichen Wirkmittel statt, veranstaltet vom Fraunhofer Institut für chemische Technologie.

Dort referierte unter anderem auch Jitka Schreiberova von der Prager Karls-Universität. Staatlich gefördert untersucht sie die Wirkung von aggressionsmindernden Pharmazeutika auf Primaten und kann deren Willen mittels verschiedener Opioide jetzt schon innerhalb weniger Minuten gänzlich brechen. Ihrer Meinung nach wären auch Midazolam, Naphtylmedetomidin und etliche Ketamine zur "crowd control" (Besänftigung von Menschenmengen) geeignet.

Der deutsche Repräsentant betonte die im Licht der neuen Sicherheitslage erwachsene Notwendigkeit einer Modifikation internationalen Rechts, um den Einsatz chemischer Stoffe bei Geiselnahmen, Massenausschreitungen oder bürgerkriegsähnlichen Gewalttätigkeiten wie etwa im Kosovo zu legalisieren.

Link zum kompletten Artikel (bei telepolis): Eine andere Gewalt ist möglich
Link zum kompletten Artikel (ZEIT online): Pillen gegen den Feind


Schäuble: Besitz nicht immer strafbar.

joan 01 Juni, 2007 16:47 politisches, seltsames Permalink Trackbacks (0)

Wolfgang Schäuble lässt manchmal schon gar seltsames von sich, grad wenn er mal etwas in Fahrt gekommen ist. Ein gar beispielhaftes Beispiel möchte ich hier mal für die Nachwelt festhalten:

Im Übrigen geht unser Strafrecht von dem Grundsatz aus, dass Selbstbeschädigung nicht justiziabel ist. Sonst müssten wir auch das Rauchen unter Strafe stellen.

Und im Tagesspiegel behauptete er gar: Der Besitz geringer Mengen an Drogen ist ja auch nicht immer strafbar.

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Nicht nur das er anscheinend seine eigenen Gesetze nicht kennt und harmlose, legale Konsumenten zu illegalem Besitz auffordert, soetwas sagt der selbe Schäuble bei dem wir in Bezug auf illegale Drogen sonst ganz andere Töne gewohnt sind. Wie zum Beispiel den Klassiker aus dem Jahre 1990:

Der Kampf gegen Drogen ist eine noch größere Herausforderung als der Kampf gegen Terrorismus.

Auch er selber hatte vor nicht all zu langer Zeit noch eine völlig konträre Meinung, wie ein Interview in WELT zeigt, wo er vor kaum einem Jahr noch sagte:

Wenn eine solche Strafbarkeit nicht die Sanktionsfähigkeit der Sportverbände schwächt, werden wir auch den Besitz von Dopingmitteln unter Strafe stellen.

Und geht man noch ein wenig weiter zurück, ins Jahr 1977, als er noch Abgeordneter war, wird man feststellen das er früher strengere Doping-Gesetze eh für Unsinn hielt:

Wir wollen diese Mittel nur sehr eingeschränkt und nur unter der absolut verantwortlichen Kontrolle der Sportmediziner [...] einsetzen [...], weil es offenbar Disziplinen gibt, in denen heute ohne den Einsatz dieser Mittel der leistungssportliche Wettbewerb in der Weltkonkurrenz nicht mehr mitgehalten werden kann.'

Also wenn ich mich so oft drehen müsste, ich müsst ja kotzen...


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