Japanischer Zoll verschenkt Cannabis

joan 26 Mai, 2008 14:49 seltsames, auswärtiges Permalink Trackbacks (0)

hund im streikGlück muß man haben. Ein japanischer Zöllner versteckte 140g Grass im Koffer eines ihm unbekannten Passagieres um seinen Drogenhund zu schulen - und *harhar* verpeilte dann in welchem Gepäckstück genau sich das Zeug befand. Der sogenannte Drogenhund war wohl leider grad im Streik, oder hatte einfach keinen Bock auf den Scheiß, auf jeden Fall solltet ihr mal in euerem Koffer schauen wenn ihr grad aus Tokio wiedergekommen seid... Zollchef Manpei Tanaka *hihi* entschuldigte sich für den "äußerst bedauerlichen" Vorfall. Bislang meldete sich niemand *ahaha*, um die in Zeitung eingewickelten und einer kleinen Bleckdose versteckten Drogen zurückzugeben.


Suchtbericht-Gestalter machen Drogen-Werbung

joan 09 Mai, 2008 13:32 seltsames Permalink Trackbacks (0)

Laut BILD legten Experten des Nationalen Drogen- und Suchtrates ein "Strategiepapier für ein Nationales Aktionsprogramm zur Tabakprävention" vor, in welchem verschiedene Einschränkungen bei der Tabakwerbung sowie Preiserhöhungen für Zigaretten, eine Mindestpackungsgröße und ein umfassendes Verbot von Zigaretten-Automaten vorgesehen ist.

Eigentlich wollte ich mich ja in diesem Zusammenhang auf die Zigaretten-Automaten stürzen, weil, für deren Umstellung auf Chipkarten (ganz im Dieste der Tabaklobby - die Leute haben inzwischen einfach öfter ne Karte als Kleingeld dabei) hat sich Sabine Bätzing ja letztens noch extrem engargiert - und das ganz nebenbei als Jugendschutz-Maßnahme verkauft... Insofern bezweifle ich das sie da ein Verbot durchdrücken will oder kann... Aber dieses Thema läuft nicht weg - und ich bin da noch über was anderes gestolpert - was hier irgendwie ganz herrvorragend passt ;)

Thema Heute, die oben schon angesprochenen Werbe-Beschränkungen... Genauer gesagt das unter anderem geplante, weitgehende Rauchverbot in "Film- und Fernsehproduktionen, die mit öffentlichen Mitteln (co-)produziert werden"... Ich glaub ich les nich recht... Wie kommt die Frau dazu das Rauchen auf eine Stufe zu stellen mit Inhalten "aufdringlich vergröbernder Sexualität oder Brutalität", die laut Filmförderungsgesetz nicht gefördert werden dürfen?  Aber bevor ich jetzt der FDP alles nachplappere - hier, in dieser Pressemitteilung, ist das eigentlich alles gut auf den Punkt gebracht - ich wollte ja auf was ganz anderes hinaus...

...nämlich auf die Rauschgift-Werbung im ganz allgemeinen. Da sollte sich Frau Bätzing nämlich mal an die eigene Nase fassen. Sie könnte zum Beispiel im eigenen Haus anfangen und auf die Werbe-Agentur Zum Golden Hirschen einwirken, welche nicht nur für die Gestaltung des Drogen- und Suchtberichtes des Gesundheitsministeriums zuständig ist, sondern auch die Werbekampangen für Alkohl- und Tabakverkäufer entwirft - sowie diverse Alkohol- und Tabaklobbyisten berät. Hier ein kleiner Auszug der illustren Kunden dieser Agentur:

BDTA (Bundesverband dt. Tabakwarengroßhändler u. Automatenaufsteller), Deutsches Weininstitut, Hövels Bier (Oetker-Gruppe), Radeberger Gruppe, Spielbanken Niedersachsen, Tobaccoland, Ur-Krostitzer, Bundesministerium für Gesundheit

Klar, eigentlich ist das nix Besonderes - Werbefuzzys machen für Geld alles - und man kann denen ja nicht bei der Wahl ihrer Kunden reinreden, aber irgendwie ist es schon komisch wenn der Drogen- und Suchtbericht von Leuten gestaltet wird, die sich ein paar Tage später damit brüsten für Tobaccoland ein Gewinnspiel umgesetzt zu haben, das Zigarettenautomaten für Raucher wieder attraktiv machen soll.


Teenies zwischen 18 und 64

joan 07 Mai, 2008 15:02 seltsames Permalink Trackbacks (0)

Apropos Suchtbericht... Wie schon erwähnt steht dort ja unter anderem, "dass in Deutschland insgesamt etwa 600.000 Personen zwischen 18 und 64 Jahren Cannabis entweder missbrauchen (380.000) oder von Cannabis abhängig sind(220.000)."... Bei einer großen deutschen Tageszeitung ist aus dieser eigentlich recht eindeutigen Aussage folgendes geworden:

[...] Der Wandel betrifft auch das Kiffen. Immer weniger Jugendliche zünden sich Joints an. Laut Bätzing eine logische Entwicklung: "Wer nicht raucht, greift auch weniger zum Joint." Gleich groß geblieben aber ist die Gruppe der "starken Kiffer" - also jener rund 600.000 Teenies, die gleich mehrmals am Tag Cannabis konsumieren.[...]

Aha, die Taz-Definition von "Teenies" ist also "Personen zwischen 18 und 64 Jahren" - man lernt nie aus... Aber hey, die sind halt einfach Jung geblieben, äh... oder so.

P.S.:
Es gibt da auch ein schönes Blog zur Taz, sollte man sich mal bookmarken: Achtung: tazblog!


Suchtbericht diffamiert Alkohol in riskanter Weise

joan 06 Mai, 2008 16:50 politisches, seltsames Permalink Trackbacks (0)

Der Suchtbericht ist ja grade in aller Munde. Ich breite den jetzt hier aber nicht auch nochmal aus sondern beschränke mich mal lieber auf die kleinen, seltsamen Verschreiber der Presse, die seltsamen Rechtfertigungen der Alkohollobby und die üblichen - aber nicht weniger seltsamen - Formulierungen im Bericht selber... Alles sehr seltsam also, aber lest selbst:

Im Drogen- und Suchtbericht findet man die (offizielle) Anzahl der Konsumenten und Süchtigen für verschiedene Drogen... Bei Cannabis heißt es unter anderm: 

[...] Der Epidemiologische Suchtsurvey von 2006 geht davon aus, dass in Deutschland insgesamt etwa 600.000 Personen zwischen 18 und 64 Jahren Cannabis entweder missbrauchen (380.000) oder von Cannabis abhängig sind(220.000). [...]

Bei Alkohol werden die Zahlen wie folgt angegeben:

[...] 9,5 Millionen Menschen in Deutschland konsumieren Alkohol in riskanter Weise. 1,3 Millionen Menschen sind alkoholabhängig. [...]

Na? Wer findet den fett hervorgehobenen Unterschied? Genau, legalen Alk missbraucht man nicht, man trinkt nur in riskanter Weise - währendessen diese kriminellen Haschspritzer von unserem Geld schon morgens ... *argh* ... Aber egal, das regt mich schon garnicht mehr auf... Lustig ist nur mal wieder die BILD, bei denen wird aus riskantem Konsum nämlich: "9,5 Millionen konsumieren riskante Mengen Alkohol" - aber hey, gehupft wie gesprungen... Und so genau nehmen es ja auch andere nicht immer, bei der Süddeutschen Zeitung zum Beispiel scheint die DMAZ-Taste zu klemmen: 

[...] Doch regelmäßigen Missbrauch oder Abhängigkeit gibt es auf gleichbleibend hohem Niveau bei etwa 600 000 vorwiegend jungen Erwachsenen - deutlich mehr als in den Vorjahren. [...] 

Oh, noch paar schöne Zitate gefällig? Der DBB (Deutscher Brauer-Bund) weint gar bitterlich ob der bösen Wortwahl der fiesen Drogenbeauftragten... Dabei kommt die Alkoholiker-Fraktion ja sogar noch halbwegs gut weg ;-) Hier ein Best-Of der DMM-Pressemitteilung:

[...] "Der Drogen- und Suchtbericht 2008 erweckt den Eindruck, dass aus dem Land der Dichter und Denker ein Land der Säufer und Trinker geworden ist." [...] Die Realität ist nach seinen Angaben jedoch eine gänzlich andere: Allein im Zeitraum von 1990 bis 2006 ist der Alkoholkonsum um rund 16 Prozent zurückgegangen.

Bei Alkohol von einer "Alltagsdroge" zu sprechen sei eine Diffamierung.
Mehr als 95 Prozent der Bürgerinnen und Bürger gingen sach- und situationsgerecht im Alltag mit alkoholhaltigen Getränken um. Verantwortungsbewusster Alkoholkonsum sei in Deutschland Teil des kulturellen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens.

[...] Geradezu hinters Licht führe die Aussage im Drogen- und Suchtbericht, die Einführung der Sondersteuer für Alkopops habe zu einem Konsumrückgang geführt. „Zeitgleich mit der Einführung der Sondersteuer ist der Wod-ka-Konsum gestiegen, da Jugendliche wieder selbst mixen“, erklärt Hahn. Die Verbots- und Besteuerungspolitik könne vom Ergebnis her nicht als Erfolg eingestuft werden.

Auch die Drogen- und Suchtpolitik müsse zur Kenntnis nehmen, dass eine nachhaltige Veränderung von menschlichem Verhalten sich nicht gesetzlich verordnen lässt. [...]

...aber das wäre wohl doch etwas zu viel verlangt ;-)


Zoll versteigert Haschgift-Lampen

joan 04 Mai, 2008 14:56 seltsames Permalink Trackbacks (0)

NDL-Set aus der Zoll-AuktionVielleicht nur ein Versehen? Vielleicht ein Testballon? In den Niederlanden wird beschlagnahmte Anbau-Technik ja schon seit langem versteigert, in Deutschland ist das eher neu. Und irgendwie hätte ich auch kein gutes Gefühl dabei mir meine Lampe direkt bei der Polizei (und dann auch noch von der bayerischen) abzuholen...

[...] Bevorzugt Selbstabholung (wegen hoher Zerbrechlichkeit) [...]

Und wer weiß, vielleicht sind sie ja eine Woche später wieder da, nehmen alles wieder mit und bieten mir das Ding kurz daruf nochmal (dafür vielleicht besonders günstig) an? Man kann leider nur spekulieren, verkauft bekommen haben sie das Gerät auf jeden Fall. Hier auf jeden Fall nochmal der Link zur (schon abgelaufenen) Auktion - und hier noch ein Screenshot davon - nur falls die die Seite mal löschen ;)


Sabine Bätzings Untätigkeitsbericht

joan 30 April, 2008 13:58 politisches, seltsames Permalink Trackbacks (0)

Bei einem Besuch im Troisdorfer Café Koko warb unsere Drogenbeauftragte Sabine Bätzing vor einigen Tagen mal wieder "nachdrücklich" für die Behandlung Heroinsüchtiger mit Diamorphin, also pharmazeutisch hergestelltem Heroin.

[...] Studien hätten belegt, dass die kontrollierte Verabreichung große Vorteile bringe: Unter anderem breche die Drogenszene weg einschließlich aller Begleiterscheinungen von Ladendiebstählen bis hin zu Gewaltdelikten. "Darin Heroin auf Krankenschein zu sehen, ist falsch", so Bätzing. "Das ist ein Medikament." [...]


Nun, klingt ja ganz gut, man könnte fast meinen es wäre nur noch eine Frage der Zeit bis das BtmG geändert - und aus dem erfolgreichen Modellversuch ein bundesweites Projekt geworden ist. Nunja... Fast... Denn der Artikel geht noch weiter, direkt im Anschluss beklagt Frau Bätzing völlig richtig:

[...] Nach ihrer Darstellung kommt die flächendeckende Einführung des Präparates, für die der Bundestag das Betäubungsmittelgesetz ändern muss, nicht voran. Seit Februar 2006 werde das Thema diskutiert: Es gebe Unsicherheit, und die Patienten hingen in der Luft. Der Gesundheitsausschuss werde in den nächsten Tagen lediglich einen "Untätigkeitsbericht" vorlegen. [...] Sie fürchtet vor allem, dass den vorhandenen Modellprojekten bald die Luft ausgehen könnte. [...]


Nun, schön Gesprochen, der Untätigkeitsbericht, wie Sabinchen es so schön formuliert, liegt jetzt auch vor - und besteht zu einem großen Teil aus folgendem Satzfragment:

[...] Mit den Stimmen der Mitglieder der Fraktionen der CDU/CSU und SPD gegen die Stimmen der Mitglieder der Fraktionen FDP, DIE LINKE, B90/DIE GRÜNEN [...] vertagt [...]

Aber Moment mal, Sabine Bätzing ist doch Mitglied in der SPD? Warum stimmen deren Mitglieder im Gesundheitsausschuss jedes mal mit der CSU/CSU für weitere Vertagungen? Hat denn Sabine, als Fachfrau in ihrer Partei, zu diesem Thema nix zu sagen? Warum kriegt sie den Gesundheitsausschuss nicht auf Linie obwohl ein paar SPD-Mitglieder in selbigem ausreichen würden um die CDU/CSU-Linie zu durchbrechen? ...öh... Moment mal... Was seh ich da? In der Tat, sie sitzt ja sogar selber im Gesundheitsausschuss, wenn auch nur stellvertretend. Es wäre ja fast mal interessant zu wissen ob und wie Madame dort selber abgestimmt hat, aber ähnlich wie bei der Diätenerhöhung gibt es ja auch für solche Fälle noch das Standart-Reportoire politischer Ausreden Erklärungen - wie zum Beispiel die immer sehr beliebte Fraktionsdisziplin. Hier ein Zitat von ihr dazu, gefunden bei Abgeordnetenwatch:

[...] Ich habe daher der Fraktionsdisziplin folgend ebenfalls für den Antrag gestimmt. Wohlgemerkt, nicht wegen eines Fraktionszwanges, sondern wegen meiner freien Entscheidung, Entschlüsse der Fraktion auch mitzutragen. Ich wünsche mir auch, dass im umgekehrten Fall, wo die Mehrheit der Fraktion einen von mir befürworteten Sachverhalt unterstützt, sich auch alle an diese Vorgabe halten. Ist dies nämlich nicht der Fall, wird es schwer sein, parlamentarische Mehrheiten zustande zu bekommen. [...]


Ui... da hat sie sich ja schön reinlegen lassen. Wo ist denn nun die Mehrheit der Fraktion die auch mal einen von ihr befürworteten Sachverhalt unterstützt? Ich seh nix, aber vielleicht spart sie ja auch noch fürs Rauchverbot.


Weiter Saufen dank Anti-Cannabis

joan 28 April, 2008 17:50 seltsames Permalink Trackbacks (0)

Wir haben ja schon ausgiebig über gute und böse Cannabinoide gelästert und im diesem Zusammenhang den Cannabinoidrezeptorantagonisten Rimonabant erwähnt, welcher ja - wegen diverser Problemchen wie Depressionen und erhöhten Selbstmordrisiken - in Amerika so seine Anlauf-Schwierigkeiten hatte. Damals war das Zeug ja noch hauptsächlich als tolles Diät-Mittel angepriesen worden, allein die böse böse Presse hat die Zulassung des Wundermittels in den USA vereitelt und dazu geführt das in Deutschland die Kassen die Kosten nicht mehr übernehmen dürfen.

Tja, schönes Desaster, da hilft nur eins: Erstmal Gras über die Sache wachsen lassen. Und dann, nach einiger Zeit: Bessere Werbung und die Zielgruppe ausbauen. Im Idealfall ein paar neue Anwendungsbereiche für das Mittel finden, den Bürger via Presse zum Arztbesuch animieren und dabei möglichst die Namen Rimonabant bzw. Acomplia erstmal vermeiden (der Arzt wird ja eh separat gebrieft). Wenn das Volk erstmal gemerkt hat wie Krank es ist wird es schon nach Zuzahlung schreien, hat noch meistens funktioniert...

Und da schau her, kaum ist kein Jahr vergangen kann man in der Presse eine Flut von interessanten medizinischen Neuerungen bestaunen... Schon gewusst? Rimonabant hilft jetzt auch gegen Fettleber! Ganz speziell bei der, die Alkoholiker gerne mal bekommen. Hallo Zielgruppe :) Bei denen fallen auch praktischer Weise die Depressionen nicht so auf, und vom Dach springen die eh ständig, da machen die Nebenwirkungen den Braten auch nicht mehr Fett... Nunja, hier eine kleine Presseschau mit Werbung Informationen zu den neuesten Erkenntnissen in chronologischer Reihenfolge:

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Law and Order in Grün

joan 03 August, 2007 11:45 politisches, seltsames Permalink Trackbacks (0)

Über die etwas seltsame Einstellung der Grünen zur Strafbarkeit des Konsums von Dopingmitteln hab ich mich ja schon kurz ausgelassen. Jetzt äußert sich der sportpolitische Sprecher der Grünen Winfried Hermann in der Jungle World erneut zum Thema - und ich sags lieber gleich - er hat es dadurch nicht besser gemacht.

Besonders hervorheben möchte ich eine kleine Randbemerkung zum Abstimmungsverhalten der Grünen als es um Strafbarkeit des Besitzes von Dopingmitteln ging. Exakt die Hälfte der Fraktion war nämlich dafür, was zeigt das die Repressionphantasien des Winfried Hermann nicht nur das Heischen nach Aufmerksamkeit eines einzelnen Abgeordneten sind.

Aber Auch zum Thema "illegale Drogen" lässt Turnvater Hermann einige Spitzen ab, nach denen man sich nicht mehr wundern braucht, warum unter Rot/Grün in diesem Bereich nichts passierte. Kleines Beispiel? Bitteschön:

[...] Das [gerade die Grünen die neue Law-and-Order-Partei sind] mag insofern irritierend sein, weil die Grünen lange Zeit in Sachen Drogen sehr liberal aufgetreten sind und gesagt haben, da bringt das Strafgesetzbuch nichts. Ich persönlich bin aber schon lange nicht mehr dieser Meinung. Ganz früher habe ich das auch mal gedacht, aber ich bin sowohl im Drogenkampf für eine harte Linie als auch beim Doping. Ich halte aber fest: Doping und Drogen sind nicht das Gleiche. Drogen machen die Menschen krank und abhängig, Drogenabhängige sind eher Opfer. [...]


Polizisten-Logik

joan 01 August, 2007 11:44 politisches, seltsames, zitiertes Permalink Trackbacks (0)

Das es Polizisten oftmals mit dem logischen Denken nicht so haben ist ja bekannt, da braucht man normalerweise nicht noch extra drauf rumreiten. Folgendes Zitat ist allerdings zu schön um sich nicht darüber lustig zu machen. Es stammt aus einem Artikel der Rheinischen Post, einer Zeitung die durch ihre Anti-Drogen-Hetze regelmäßig auffällt.

[...] Doch es bleibt eine „Sisyphos-Arbeit“, wie Polizeipräsident Herbert Schenkelberg sagt. „Die Ursache für Drogenkriminalität ist die Sucht - die kann nicht die Polizei bekämpfen.“ Schwerstabhängige schreckten die Mittel von Polizei und Justiz nicht ab. „Sie tun alles, um ihre Sucht zu befriedigen, die haben keine Angst vor Strafen.“

Schenkelberg findet es deshalb[sic!] gut, dass die Justizministerin einen härteren Kurs gegen den Besitz illegaler Drogen einschlägt. „Es ist wichtig, klare Zeichen vor allem für junge Menschen zu setzen, damit es erst gar nicht zur Sucht kommt.“ [...]

Zusammengefasst hieße das: Es bringt nichts - deshalb sollte man es ausweiten.


Schizophrene Kiffen mehr - oder andersrum?

joan 27 Juli, 2007 11:04 seltsames Permalink Trackbacks (0)

Literatur-Studien sind schon was feines. Kaum Kosten und viel Aufmerksamkeit, und kein Schwein hat Lust all die Quellen zu durchforsten um eventuelle Fehler zu finden, vor allem nicht, wenn einem das Ergebnis grad gut in Kram passt.

Und so erfreuen sich zur Zeit Berichte über starkes, Psychosen auslösendes Marihuana größter Beliebtheit. Inzwischen hat man ja schon so oft davon gehört - es muss einfach wahr sein. Ich mein, hey, sogar die TAZ übernimmt solche Berichte - wenn es da Zweifel gäbe - die TAZ hätte es doch dazu geschrieben?! Ja, ich gebs zu, das ist ein etwas naiver Wunsch, schließlich beschränkt sich die Drogenberichterstattung der Tageszeitung seit langem schon fast ausschließlich im unkommentierten Abdrucken von dpa-Meldungen - wie dieser hier - mit dem tollen Titel: "Haschisch löst Psychosen aus".

taz vom 27.7.07Man mag sich zwar fragen wie diese Forscher auf ein solches Ergebnis kommen - wo es doch bisher keine gesicherten Beweise oder aussagekräftige Studien gibt welche man für eine Literaturstudie verwenden könnte - aber das kann man wohl bei der Taz niemandem zumuten. Nicht drucken war aber wohl auch keine Lösung, aber kann man es ihnen verübeln? Haschgift-Horror-Geschichten waren bei Zeitungen schon immer sehr beliebt, Schizophrenie ist da ja nicht der erste Aufhänger in den letzten 70 Jahren ;)

Am Anfang der Hetze schrieb man Cannabis bringe einen direkt ins Grab, was aber nicht lange zog. Dann hieß es, es mache Gewalttätig und im Rausch bringe man Leute um - was in Ermangelung von Gewalttätigen und Umgebrachten auch irgendwann wieder aufgegeben wurde. Nach diversen anderen Versuchen schwenkte man um auf die recht erfolgreiche Einstiegs-Drogen-Legende, welche bis heute noch hier und da durch die Medien geistert, aber bei halbwegs gebildeten Menschen auch nicht mehr zieht. Also musste dringend was neues her - und Halleluja - stärkeres Grass und die Schizophrenie wurden entdeckt. Ein guter Versuch, muss man zugeben, und zusammen auf den ersten Blick durchaus logisch. Und kein Kiffer aus den 70ern [hallo Regierung] fühlt sich auf den Schlips getreten oder als Verrückter diffamiert, denn Cannabis von Heute ist ja vieeeel stärker, das harmlose Kraut von früher löste natürlich keine Psychosen aus.

Allein der Zusammenhang konnte noch nicht hergestellt werden, auch wenn es in aller Welt weiterhin krampfhaft versucht wird, mal seriöser und mal auf eher seltsame Art und Weise. So ist auch bei einer neuen, schweizer Schizophrenie-Studie mehr als unklar ob sich der angebliche Anstieg der Schizophrenie-Fälle im Land auf den vermehrten Cannabis-Konsum zurückführen lässt. Aber mit dieser Behauptung ist wenigstens für Aufmerksamkeit gesorgt, also was solls, die kritischen Anmerkungen druckt und liest eh kaum jemand - wichtig sind die Schlagzeilen - die bleiben hängen. Hier ein paar besonders schöne (wenn auch teilweise altbekannte) Exemplare: Cannabis doch nicht so harmlos, Cannabis kann schizophren machen, Kiffen - und dann der Gang zum Psychiater oder Cannabis-Gefahr größer als angenommen. Und es mag ja durchaus auch logisch erscheinen wen man das so liest:

[...] Die Studie hat Daten von 8000 Patientinnen und Patienten des Kantons Zürich untersucht, bei denen zwischen 1977 und 2005 erstmals Schizophrenie aufgetreten ist. Dies traf vermehrt in den 1990er-Jahren bei den Altersgruppen zu, die häufig Cannabis rauchen. [...] Wie Wulf Rössler, Co-Autor der Studie gegenüber swissinfo sagte, beweisen die Resultate eine direkte Verbindung zum Cannabis-Konsum: "Wir wissen aus anderen experimentellen Studien, dass Cannabis eine Psychose bewirken kann, doch jetzt haben wir zum ersten Mal einen klaren Hinweis auf Schizophrenie."

Bei gelegentlichem Rauchen der Droge erhöhe sich das Risiko nicht, aber bei täglichem Konsum während Jahren steige das Risiko zwei bis drei Mal. "Das Risiko, an Schizophrenie zu erkranken, hat eine direkte Beziehung mit der Häufigkeit des Drogenkonsums", führt Rössler aus.[...]


Gut, vielleicht sind in China auch einfach in der fraglichen Zeit mehr Reis-Säcke umgefallen, Kritiker der Studie - und dazu gehört zum Beispiel auch das schweizer Bundesamt für Gesundheit (BAG) - sehen das auf jeden Fall ein wenig anders:

Das BAG [...] verweist auf einen weiteren plötzlichen Anstieg von Schizophrenie in der Mitte der 1980er-Jahre und die Tatsache, dass die Drogengeschichten der Patienten und andere medizinische Details ungeklärt bleiben.

"Die Studie kann die Krankheitsgeschichten der Patienten nicht aufzeigen, etwa den Konsum von psychotischen Substanzen oder anderen Faktoren, die zu psychotischen Erkrankungen führen", schreibt das BAG in einem Communiqué.

Der Zusammenhang zwischen Schizophrenie und Cannabis-Konsum sei noch nicht bewiesen, heißt es. [...]


Auch Ambros Uchtenhagen, ein Drogenexperte im Institut für Sozial- und Präventivmedizin meldet Vorbehalte gegen die Ergebnisse an:

"Die Resultate sind rein hypothetisch und sollten nicht missbraucht werden, insbesondere nicht für politische Zwecke, um zu sagen, dass Cannabis mit Sicherheit Schizophrenie verursache." [...] "Niemand weiss, ob diese Personen jemals Cannabis geraucht haben. Es ist eine interessante Hypothese und eine Einladung, genauer zu untersuchen, was wirklich geschah".

Auch die schweizerische Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme (SFA) meldete sich dazu zu Wort:

Sie [...] findet die Hypothese "ziemlich einleuchtend", aber nicht bewiesen. Sie verweist auf andere Untersuchungen, die eine Beziehung zwischen Cannabis-Konsum und Schizophrenie annehmen. [...]

Zitate von: Swissinfo.org


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