Marlboro-Mann berät Berater?

joan 09 Mai, 2008 21:32 politisches, seltsames Permalink Trackbacks (0)

Ich glaube, Phillip Morris hat einen Vertreter im Nationalen Drogen- und Suchtrat, wahrscheinlich sogar den Marlboro-Mann persönlich. In der Welt Online ist zu lesen das der Glimmstengel-Marktführer der Bundesregierung gerade mit Werksschließung droht falls seine Vorstellungen im Bereich des Jugenschutzes nicht endlich durchgesetzt werden. Ja, richtig gelesen:

[...] Nach WELT-ONLINE-Informationen aus der Zigarettenbranche verlangt der US-Konzern, dass die Bundesregierung die Packungen von heute 17 Stück auf mindestens 20 Zigaretten per Gesetz festschreibt. Dadurch wären Preiserhöhungen möglich. Packungspreise von fünf Euro am Automaten wären dann bei entsprechend mehr Inhalt denkbar. Philip Morris droht der Bundesregierung nach den Informationen damit, anderenfalls das Werk in Berlin mit rund 1000 Mitarbeitern oder in Dresden mit rund 400 Beschäftigten dichtzumachen. [...] Begründet wurde die Forderung mit der Produktionstechnik in den Werken, mit dem Jugendschutz und tabaksteuerlichen Gesichtspunkten. [...]

Moment, kommt einem das nicht irgendwoher bekannt vor? Hat nicht gerade heute erst der Drogen- und Suchtrat (hier auch in der Welt Online) exakt dasselbe gefordert?

[...] Experten des Nationalen Drogen- und Suchtrates fordern ein schärferes Vorgehen gegen das Rauchen. [...] Für Zigarettenschachteln solle die Mindestgröße demnach bei 20 Stück liegen, was die Packungen verteuern könne. Zudem werde ein Werbeverbot für Großplakate geprüft. Die Geschäftsstelle der Bundes-Drogenbeauftragten Sabine Bätzing (SPD) bestätigte diese Vorschläge. [...]

Mensch wie praktisch, ein Schelm wer Böses dabei denkt. Selbst Marianne Tritz, EX-Bundestagsabgeordnete und Mitglied der GRÜNEN - jetzt Geschäftsführerin beim Deutschen Zigarettenverband (bei dem PM nicht mitmischt) ist höchst erstaunt und kann es noch nicht ganz fassen... Das scheint mir eher wieder so ein interner Graben- und Verteilungskampf der Drogenmafia zu sein, mal schauen was da noch kommt...


Suchtbericht-Gestalter machen Drogen-Werbung

joan 09 Mai, 2008 13:32 seltsames Permalink Trackbacks (0)

Laut BILD legten Experten des Nationalen Drogen- und Suchtrates ein "Strategiepapier für ein Nationales Aktionsprogramm zur Tabakprävention" vor, in welchem verschiedene Einschränkungen bei der Tabakwerbung sowie Preiserhöhungen für Zigaretten, eine Mindestpackungsgröße und ein umfassendes Verbot von Zigaretten-Automaten vorgesehen ist.

Eigentlich wollte ich mich ja in diesem Zusammenhang auf die Zigaretten-Automaten stürzen, weil, für deren Umstellung auf Chipkarten (ganz im Dieste der Tabaklobby - die Leute haben inzwischen einfach öfter ne Karte als Kleingeld dabei) hat sich Sabine Bätzing ja letztens noch extrem engargiert - und das ganz nebenbei als Jugendschutz-Maßnahme verkauft... Insofern bezweifle ich das sie da ein Verbot durchdrücken will oder kann... Aber dieses Thema läuft nicht weg - und ich bin da noch über was anderes gestolpert - was hier irgendwie ganz herrvorragend passt ;)

Thema Heute, die oben schon angesprochenen Werbe-Beschränkungen... Genauer gesagt das unter anderem geplante, weitgehende Rauchverbot in "Film- und Fernsehproduktionen, die mit öffentlichen Mitteln (co-)produziert werden"... Ich glaub ich les nich recht... Wie kommt die Frau dazu das Rauchen auf eine Stufe zu stellen mit Inhalten "aufdringlich vergröbernder Sexualität oder Brutalität", die laut Filmförderungsgesetz nicht gefördert werden dürfen?  Aber bevor ich jetzt der FDP alles nachplappere - hier, in dieser Pressemitteilung, ist das eigentlich alles gut auf den Punkt gebracht - ich wollte ja auf was ganz anderes hinaus...

...nämlich auf die Rauschgift-Werbung im ganz allgemeinen. Da sollte sich Frau Bätzing nämlich mal an die eigene Nase fassen. Sie könnte zum Beispiel im eigenen Haus anfangen und auf die Werbe-Agentur Zum Golden Hirschen einwirken, welche nicht nur für die Gestaltung des Drogen- und Suchtberichtes des Gesundheitsministeriums zuständig ist, sondern auch die Werbekampangen für Alkohl- und Tabakverkäufer entwirft - sowie diverse Alkohol- und Tabaklobbyisten berät. Hier ein kleiner Auszug der illustren Kunden dieser Agentur:

BDTA (Bundesverband dt. Tabakwarengroßhändler u. Automatenaufsteller), Deutsches Weininstitut, Hövels Bier (Oetker-Gruppe), Radeberger Gruppe, Spielbanken Niedersachsen, Tobaccoland, Ur-Krostitzer, Bundesministerium für Gesundheit

Klar, eigentlich ist das nix Besonderes - Werbefuzzys machen für Geld alles - und man kann denen ja nicht bei der Wahl ihrer Kunden reinreden, aber irgendwie ist es schon komisch wenn der Drogen- und Suchtbericht von Leuten gestaltet wird, die sich ein paar Tage später damit brüsten für Tobaccoland ein Gewinnspiel umgesetzt zu haben, das Zigarettenautomaten für Raucher wieder attraktiv machen soll.


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