Suchtbericht diffamiert Alkohol in riskanter Weise
Der Suchtbericht ist ja grade in aller Munde. Ich breite den jetzt hier aber nicht auch nochmal aus sondern beschränke mich mal lieber auf die kleinen, seltsamen Verschreiber der Presse, die seltsamen Rechtfertigungen der Alkohollobby und die üblichen - aber nicht weniger seltsamen - Formulierungen im Bericht selber... Alles sehr seltsam also, aber lest selbst:
Im Drogen- und Suchtbericht findet man die (offizielle) Anzahl der Konsumenten und Süchtigen für verschiedene Drogen... Bei Cannabis heißt es unter anderm:
[...] Der Epidemiologische Suchtsurvey von 2006 geht davon aus, dass in Deutschland insgesamt etwa 600.000 Personen zwischen 18 und 64 Jahren Cannabis entweder missbrauchen (380.000) oder von Cannabis abhängig sind(220.000). [...]
Bei Alkohol werden die Zahlen wie folgt angegeben:
[...] 9,5 Millionen Menschen in Deutschland konsumieren Alkohol in riskanter Weise. 1,3 Millionen Menschen sind alkoholabhängig. [...]
Na? Wer findet den fett hervorgehobenen Unterschied? Genau, legalen Alk missbraucht man nicht, man trinkt nur in riskanter Weise - währendessen diese kriminellen Haschspritzer von unserem Geld schon morgens ... *argh* ... Aber egal, das regt mich schon garnicht mehr auf... Lustig ist nur mal wieder die BILD, bei denen wird aus riskantem Konsum nämlich: "9,5 Millionen konsumieren riskante Mengen Alkohol" - aber hey, gehupft wie gesprungen... Und so genau nehmen es ja auch andere nicht immer, bei der Süddeutschen Zeitung zum Beispiel scheint die DMAZ-Taste zu klemmen:
[...] Doch regelmäßigen Missbrauch oder Abhängigkeit gibt es auf gleichbleibend hohem Niveau bei etwa 600 000 vorwiegend jungen Erwachsenen - deutlich mehr als in den Vorjahren. [...]
Oh, noch paar schöne Zitate gefällig? Der DBB (Deutscher Brauer-Bund) weint gar bitterlich ob der bösen Wortwahl der fiesen Drogenbeauftragten... Dabei kommt die Alkoholiker-Fraktion ja sogar noch halbwegs gut weg ;-) Hier ein Best-Of der DMM-Pressemitteilung:
[...] "Der Drogen- und Suchtbericht 2008 erweckt den
Eindruck, dass aus dem Land der Dichter und Denker ein Land der Säufer
und Trinker geworden ist." [...] Die Realität ist nach seinen Angaben jedoch eine
gänzlich andere: Allein im Zeitraum von 1990 bis 2006 ist der
Alkoholkonsum um rund 16 Prozent zurückgegangen.
Bei Alkohol von einer "Alltagsdroge" zu sprechen sei eine Diffamierung.
Mehr als 95 Prozent der Bürgerinnen und Bürger gingen sach- und
situationsgerecht im Alltag mit alkoholhaltigen Getränken um.
Verantwortungsbewusster Alkoholkonsum sei in Deutschland Teil des
kulturellen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens.
[...] Geradezu hinters Licht führe die Aussage im Drogen- und Suchtbericht, die Einführung der Sondersteuer für Alkopops habe zu einem Konsumrückgang geführt. „Zeitgleich mit der Einführung der Sondersteuer ist der Wod-ka-Konsum gestiegen, da Jugendliche wieder
selbst mixen“, erklärt Hahn. Die Verbots- und Besteuerungspolitik könne
vom Ergebnis her nicht als Erfolg eingestuft werden.
Auch die Drogen- und Suchtpolitik müsse zur Kenntnis nehmen, dass eine
nachhaltige Veränderung von menschlichem Verhalten sich nicht
gesetzlich verordnen lässt. [...]
...aber das wäre wohl doch etwas zu viel verlangt ;-)

