Literatur-Studien sind schon was feines. Kaum Kosten und viel Aufmerksamkeit, und kein Schwein hat Lust all die Quellen zu durchforsten um eventuelle Fehler zu finden, vor allem nicht, wenn einem das Ergebnis grad gut in Kram passt.
Und so erfreuen sich zur Zeit Berichte über starkes, Psychosen auslösendes Marihuana größter Beliebtheit. Inzwischen hat man ja schon so oft davon gehört - es muss einfach wahr sein. Ich mein, hey, sogar die TAZ übernimmt solche Berichte - wenn es da Zweifel gäbe - die TAZ hätte es doch dazu geschrieben?! Ja, ich gebs zu, das ist ein etwas naiver Wunsch, schließlich beschränkt sich die Drogenberichterstattung der Tageszeitung seit langem schon fast ausschließlich im unkommentierten Abdrucken von dpa-Meldungen - wie dieser hier - mit dem tollen Titel: "Haschisch löst Psychosen aus".
Man mag sich zwar fragen wie diese Forscher auf ein solches Ergebnis kommen - wo es doch bisher keine gesicherten Beweise oder aussagekräftige Studien gibt welche man für eine Literaturstudie verwenden könnte - aber das kann man wohl bei der Taz niemandem zumuten. Nicht drucken war aber wohl auch keine Lösung, aber kann man es ihnen verübeln? Haschgift-Horror-Geschichten waren bei Zeitungen schon immer sehr beliebt, Schizophrenie ist da ja nicht der erste Aufhänger in den letzten 70 Jahren ;)
Am Anfang der Hetze schrieb man Cannabis bringe einen direkt ins Grab, was aber nicht lange zog. Dann hieß es, es mache Gewalttätig und im Rausch bringe man Leute um - was in Ermangelung von Gewalttätigen und Umgebrachten auch irgendwann wieder aufgegeben wurde. Nach diversen anderen Versuchen schwenkte man um auf die recht erfolgreiche Einstiegs-Drogen-Legende, welche bis heute noch hier und da durch die Medien geistert, aber bei halbwegs gebildeten Menschen auch nicht mehr zieht. Also musste dringend was neues her - und Halleluja - stärkeres Grass und die Schizophrenie wurden entdeckt. Ein guter Versuch, muss man zugeben, und zusammen auf den ersten Blick durchaus logisch. Und kein Kiffer aus den 70ern [hallo Regierung] fühlt sich auf den Schlips getreten oder als Verrückter diffamiert, denn Cannabis von Heute ist ja vieeeel stärker, das harmlose Kraut von früher löste natürlich keine Psychosen aus.
Allein der Zusammenhang konnte noch nicht hergestellt werden, auch wenn es in aller Welt weiterhin krampfhaft versucht wird, mal seriöser und mal auf eher seltsame Art und Weise. So ist auch bei einer neuen, schweizer Schizophrenie-Studie mehr als unklar ob sich der angebliche Anstieg der Schizophrenie-Fälle im Land auf den vermehrten Cannabis-Konsum zurückführen lässt. Aber mit dieser Behauptung ist wenigstens für Aufmerksamkeit gesorgt, also was solls, die kritischen Anmerkungen druckt und liest eh kaum jemand - wichtig sind die Schlagzeilen - die bleiben hängen. Hier ein paar besonders schöne (wenn auch teilweise altbekannte) Exemplare: Cannabis doch nicht so harmlos, Cannabis kann schizophren machen, Kiffen - und dann der Gang zum Psychiater oder Cannabis-Gefahr größer als angenommen. Und es mag ja durchaus auch logisch erscheinen wen man das so liest:
[...] Die Studie hat Daten von 8000 Patientinnen und Patienten des Kantons Zürich untersucht, bei denen zwischen 1977 und 2005 erstmals Schizophrenie aufgetreten ist. Dies traf vermehrt in den 1990er-Jahren bei den Altersgruppen zu, die häufig Cannabis rauchen. [...] Wie Wulf Rössler, Co-Autor der Studie gegenüber swissinfo sagte, beweisen die Resultate eine direkte Verbindung zum Cannabis-Konsum: "Wir wissen aus anderen experimentellen Studien, dass Cannabis eine Psychose bewirken kann, doch jetzt haben wir zum ersten Mal einen klaren Hinweis auf Schizophrenie."
Bei gelegentlichem Rauchen der Droge erhöhe sich das Risiko nicht, aber bei täglichem Konsum während Jahren steige das Risiko zwei bis drei Mal. "Das Risiko, an Schizophrenie zu erkranken, hat eine direkte Beziehung mit der Häufigkeit des Drogenkonsums", führt Rössler aus.[...]
Gut, vielleicht sind in China auch einfach in der fraglichen Zeit mehr Reis-Säcke umgefallen, Kritiker der Studie - und dazu gehört zum Beispiel auch das schweizer Bundesamt für Gesundheit (BAG) - sehen das auf jeden Fall ein wenig anders:
Das BAG [...] verweist auf einen weiteren plötzlichen Anstieg von Schizophrenie in der Mitte der 1980er-Jahre und die Tatsache, dass die Drogengeschichten der Patienten und andere medizinische Details ungeklärt bleiben.
"Die Studie kann die Krankheitsgeschichten der Patienten nicht aufzeigen, etwa den Konsum von psychotischen Substanzen oder anderen Faktoren, die zu psychotischen Erkrankungen führen", schreibt das BAG in einem Communiqué.
Der Zusammenhang zwischen Schizophrenie und Cannabis-Konsum sei noch nicht bewiesen, heißt es. [...]
Auch Ambros Uchtenhagen, ein Drogenexperte im Institut für Sozial- und Präventivmedizin meldet Vorbehalte gegen die Ergebnisse an:
"Die Resultate sind rein hypothetisch und sollten nicht missbraucht werden, insbesondere nicht für politische Zwecke, um zu sagen, dass Cannabis mit Sicherheit Schizophrenie verursache." [...] "Niemand weiss, ob diese Personen jemals Cannabis geraucht haben. Es ist eine interessante Hypothese und eine Einladung, genauer zu untersuchen, was wirklich geschah".
Auch die schweizerische Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme (SFA) meldete sich dazu zu Wort:
Sie [...] findet die Hypothese "ziemlich einleuchtend", aber nicht bewiesen. Sie verweist auf andere Untersuchungen, die eine Beziehung zwischen Cannabis-Konsum und Schizophrenie annehmen. [...]
Zitate von: Swissinfo.org